Der DN-Wert beschreibt die Nennweite eines Ventils, der Kv-Wert dessen hydraulischen Durchflusskennwert unter definierten Bedingungen. Eine passende Anschlussgröße beweist daher noch keine geeignete Ventilauswahl. Für ein Regelventil müssen erforderlicher Volumenstrom, verfügbarer Differenzdruck, Medium und Betriebsbereich zusammenpassen. Erst danach wird eine konkrete Baugröße mit geeignetem Antrieb und zulässigen Einsatzbedingungen ausgewählt. Ein großes Ventil kann hydraulisch zu durchlässig sein und die Regelung unnötig erschweren.
01DN, Kv und Kvs eindeutig auseinanderhalten
DN dient der Größenkennzeichnung von Rohrleitungsbauteilen. Der Wert entspricht nicht in jedem Fall einem exakt messbaren Innendurchmesser. Kv beschreibt dagegen den Durchflusskennwert bei einer bestimmten Ventilöffnung. Kvs bezeichnet üblicherweise den zugehörigen Kennwert des vollständig geöffneten Ventils unter den definierten Prüfbedingungen. Die konkrete Dokumentation des Herstellers ist für die verwendeten Bezeichnungen maßgeblich.
Zwei Ventile derselben DN können unterschiedliche Kvs-Werte besitzen. Umgekehrt kann ein Hersteller verschiedene hydraulische Ausführungen innerhalb ähnlicher Anschlussgrößen anbieten. Für die Auswahl genügt daher keine Bestellung nach „DN 20, motorisiert“. Die gewünschte Funktion muss mit dem konkreten Typenblatt verbunden werden. SAMSON erläutert in seinen technischen Unterlagen die Berechnung von Kv und anschließende Auswahl des produktspezifischen Kvs. Die Produktgruppe Ventile & Armaturen hilft bei der grundsätzlichen Einordnung, ersetzt aber keine Auslegung.
02Mit der erforderlichen Aufgabe beginnen
Ermitteln Sie zunächst den tatsächlich erforderlichen Volumenstrom und den zugehörigen Betriebsfall. Handelt es sich um einen wassergeführten Kühlkreis, einen Wärmeübertrager oder eine andere Anwendung? Welche Lastfälle sollen geregelt werden? Für das Ventil zählt nicht nur der größte Durchsatz, sondern auch der Bereich, in dem es überwiegend arbeitet. Eine Auslegung allein nach einem sehr seltenen Spitzenfall kann die Teillastregelung beeinträchtigen.
Zum Datenblatt für die Auswahl gehören Medium, Temperatur, Dichte beziehungsweise Zusammensetzung, Druck und zulässige Betriebsgrenzen. Bei Wasser-Glykol-Gemischen sind die tatsächlichen Stoffeigenschaften zu beachten. Die einfache Wasserformel darf nicht unkritisch auf beliebige Flüssigkeiten, hochviskose Medien, Dampf oder Gase übertragen werden. Auch Verunreinigungen und erforderliche Werkstofffreigaben müssen früh bekannt sein. Fehlende Angaben werden ausdrücklich als offen markiert und vor einer verbindlichen Bestellung geklärt.
03Die vereinfachte Kv-Rechnung für Wasser verstehen
Für eine vereinfachte, nicht kritische Flüssigkeitsströmung gilt bei Wasser näherungsweise: Kv entspricht dem Volumenstrom in m³/h geteilt durch die Quadratwurzel des Differenzdrucks in bar. Diese Einheiten gehören zur Formel. Wird der Differenzdruck versehentlich in kPa eingesetzt, entsteht ein anderer Zahlenwert und eine falsche Auswahl. Bei abweichender Dichte ist eine entsprechende Korrektur erforderlich; weitere Strömungsgrenzen bleiben zusätzlich zu prüfen.
Ein frei gewähltes Beispiel verwendet 2 m³/h und 0,25 bar Druckverlust am Ventil. Die Quadratwurzel von 0,25 beträgt 0,5. Der rechnerisch erforderliche Kv-Wert beträgt damit 4. Dieses Ergebnis ist ein Arbeitsschritt, noch keine endgültige Produktwahl. Die Fachplanung prüft anschließend Kennlinie, nutzbaren Stellbereich, Geräusch- und Strömungsgrenzen, zulässige Druckverhältnisse sowie die passende Kombination von Ventil und Antrieb.
04Den Differenzdruck am richtigen Bauteil ansetzen
Der Differenzdruck über dem Ventil ist nicht automatisch der Druckverlust des gesamten Kreises und auch nicht der statische Anlagendruck. In einem Kreislauf verteilen sich Druckverluste auf Rohrleitungen, Wärmeübertrager, Armaturen und weitere Komponenten. Für die Kv-Rechnung muss die dem Regelventil zugeordnete Druckdifferenz bekannt sein. Eine pauschale Verwendung des Pumpendrucks kann das Ergebnis erheblich verfälschen.
Wenn insgesamt 0,6 bar verfügbar sind, davon aber beispielhaft 0,4 bar für andere Komponenten benötigt werden, bleiben in dieser vereinfachten Betrachtung 0,2 bar für das betrachtete Ventil. Die tatsächliche Verteilung verändert sich mit dem Betriebspunkt. Für eine belastbare Planung werden die maßgeblichen Lastfälle betrachtet. Der Beitrag Ventilautorität und pendelnde Regelventile erläutert, warum das Verhältnis der Druckverluste für die Regelbarkeit wesentlich ist. Der Kv-Wert allein beantwortet diese Verhältnisfrage nicht.
05Warum eine übergroße Auswahl problematisch sein kann
Ein sehr hoher Kvs-Wert verringert bei gegebenem Durchsatz den Druckverlust des vollständig geöffneten Ventils. Das wirkt zunächst günstig, kann aber die nutzbare Regelwirkung im System verschlechtern. Ein großer Anteil des erforderlichen Durchsatzes wird möglicherweise schon bei kleiner Öffnung erreicht. Dann muss die Regelung in einem engen Stellbereich arbeiten. Ob daraus tatsächlich Pendeln oder eine andere Auffälligkeit entsteht, hängt zusätzlich von Kennlinie, Antrieb und Regelung ab.
Ein Beispiel zeigt die hydraulische Tendenz: Bei 2 m³/h und Kvs 4 ergibt sich vereinfacht ein Druckverlust von 0,25 bar. Bei gleichem Durchsatz und Kvs 8 wären es nur 0,0625 bar. Die Verdopplung des Kennwerts halbiert den Druckverlust nicht, sondern führt in diesem vereinfachten Modell zu einem Viertel. Die Zahlen sind keine Empfehlung für einen Mindestdruckverlust. Sie zeigen lediglich, wie stark eine Auswahl den Betriebspunkt verändern kann.
06Regelkennlinie und Antrieb gemeinsam berücksichtigen
Ein Ventil besitzt eine innere Kennlinie zwischen Öffnung und Durchflusskennwert. Im eingebauten System entsteht daraus unter den tatsächlichen Druckverhältnissen eine andere wirksame Beziehung zwischen Stellweg und Durchfluss. Ein Datenblatt mit einer linearen oder gleichprozentigen Kennlinie beschreibt deshalb nicht automatisch das Verhalten des gesamten Kreises. Der gewünschte Regelbereich muss im Zusammenhang mit der Anlage beurteilt werden.
Auch der Antrieb beeinflusst die Funktion. Stellkraft beziehungsweise Drehmoment, Stellweg, Laufzeit, Signalart und zulässige Differenzdrücke müssen zur Ventilausführung passen. Eine mechanisch passende Kupplung beweist keine freigegebene Kombination. Für das Ausfallverhalten bietet Fail-Safe oder Stay-Put beim Stellantrieb? eine gesonderte Betrachtung. Das Auswahlblatt sollte Ventil und Antrieb eindeutig zusammen nennen, damit Beschaffung und Montage nicht zwei formal ähnliche, funktional aber ungeeignete Teile kombinieren.
07Druckunabhängige Ventile anders bewerten
Ein druckunabhängiges Regelventil kann Volumenstrombegrenzung und interne Differenzdruckregelung verbinden. Danfoss beschreibt diese integrierten Funktionen für seine AB-QM-Produkte. Das bedeutet nicht, dass ein solches Ventil unter jeder beliebigen Druckdifferenz korrekt arbeitet. Es besitzt einen zulässigen Betriebsbereich und benötigt bestimmte produktbezogene Voraussetzungen. Die Auswahl wird deshalb anhand des erforderlichen Durchsatzes und der gerätespezifischen Grenzen durchgeführt.
Ein PICV kann nicht einfach mit der Logik eines beliebigen konventionellen Stellventils gleichgesetzt werden. Prüfen Sie die Voreinstellmöglichkeiten, den benötigten Mindestdifferenzdruck und die zulässige Kombination mit dem Antrieb. Der Nachweis im Betrieb wird unter PICV prüfen: Voreinstellung und Differenzdruck erläutert. Auch bei einer integrierten Lösung bleiben ein korrekter Einbau, geeignete Wasserqualität im jeweiligen System und nachvollziehbare Dokumentation erforderlich. Eine Produktbezeichnung allein beweist keinen gelungenen Abgleich.
08Rohranschluss und mechanische Integration prüfen
Wenn die hydraulisch geeignete Ventilgröße von der Rohrnennweite abweicht, muss die mechanische Integration fachlich geplant werden. Übergänge, Einbauraum, Zugänglichkeit und zusätzliche Widerstände zählen zur Betrachtung. Ein Ventil sollte nicht allein deshalb zu groß gewählt werden, weil eine Reduzierung vermieden werden soll. Umgekehrt ist eine kleinere Baugröße ohne Prüfung von Geschwindigkeit und Einbaubedingungen ebenfalls keine pauschale Verbesserung.
Berücksichtigen Sie Strömungsrichtung, Lage und Wartungszugang nach Herstelleranleitung. Messanschlüsse müssen erreichbar sein, wenn sie für den Nachweis benötigt werden. Auch eine später erforderliche Demontage sollte möglich bleiben. Die angrenzende Installation finden Sie als Produktgruppe unter Installationstechnik. Für eine technische Anfrage sind Schema, Betriebsfälle und konkrete Einbaubedingungen aussagekräftiger als lediglich eine gewünschte Anschlussdimension.
09Auswahl und spätere Prüfung miteinander verbinden
Ein gutes Auswahlblatt enthält den verwendeten Volumenstrom, die angenommene Druckdifferenz, das Medium und den betrachteten Lastfall. Ergänzen Sie Typ, Kvs beziehungsweise Einstellbereich, Antrieb und relevante Betriebsgrenzen. So kann die Inbetriebnahme prüfen, ob die tatsächlichen Bedingungen zur Auslegung passen. Fehlen diese Annahmen, bleibt später unklar, ob eine Abweichung aus Planung, Montage oder Betrieb stammt.
Im Betrieb sind Messwerte unter definierten Bedingungen zu erfassen. Ein bestimmter Stellbefehl bedeutet nicht bei jeder Anlage denselben Volumenstrom. Für die Beurteilung werden Anforderung, Stellungsrückmeldung und geeignete hydraulische Messung gemeinsam betrachtet. Bei Fragen zur Produktauswahl können Sie die Unterlagen über unsere Kontaktseite mit Pomeka Mekanik abstimmen. Ein verbindlicher Auslegungsnachweis benötigt vollständige Daten; fehlende Randbedingungen sollten nicht durch scheinbar großzügige Sicherheitszuschläge verdeckt werden.
10Checkliste für die hydraulische Ventilauswahl
- Erforderlichen Volumenstrom und relevante Voll- und Teillastfälle benennen.
- Medium, Temperatur, Dichte beziehungsweise Zusammensetzung und Druckbedingungen erfassen.
- DN, Kv und Kvs im konkreten Typenblatt eindeutig unterscheiden.
- Verfügbaren Ventildifferenzdruck aus dem richtigen Kreis und Lastfall ableiten.
- Kennlinie, nutzbaren Stellbereich, Antrieb und Strömungsgrenzen gemeinsam prüfen.
- Auswahlannahmen und spätere Nachweismethode dokumentieren.
Wenn ein bestehendes Ventil ersetzt werden soll, übernehmen Sie nicht nur die sichtbare DN. Ermitteln Sie die ursprüngliche Ausführung und prüfen Sie, ob sich die Anlagenaufgabe verändert hat. Ein anderes Kvs innerhalb derselben Anschlussgröße kann das Regelverhalten deutlich ändern. Auch eine vermeintlich bessere höhere Druckklasse beantwortet die hydraulische Eignung nicht. Druckfestigkeit, Durchflusskennwert und Regelaufgabe bleiben getrennte Auswahlmerkmale, die im konkreten Produkt zusammenpassen müssen.
11Fehlende Daten vor einer Bestellung klären
Liegt nur ein Foto des eingebauten Gehäuses vor, kann der relevante Kennwert möglicherweise nicht sicher bestimmt werden. Ein Modellzusatz oder eine Kennzeichnung am Einsatz kann entscheidend sein. Kennzeichnen Sie eine solche Zuordnung als ungeklärt. Eine Bestellung auf Basis einer ähnlichen Abbildung schafft sonst neue Unsicherheit, obwohl die Anschlussmaße übereinstimmen.
Bei älteren Anlagen lohnt sich zusätzlich ein Blick auf Änderungsprotokolle. Eine nachgerüstete Last, ein geänderter Kreis oder ein anderer Betriebsdruck kann die ursprüngliche Auswahl überholen. Das vorhandene Ventil ist dann ein Hinweis auf den Bestand, aber keine automatische Vorlage für die neue Auslegung. Die fachliche Prüfung sollte die heutige Aufgabe abbilden und die dafür verwendeten Annahmen nachvollziehbar festhalten.
12Häufig gestellte Fragen
Ist ein Ventil mit derselben DN hydraulisch gleichwertig?
Kann ich den statischen Anlagendruck in die Kv-Formel einsetzen?
Ist ein höherer Kvs-Wert grundsätzlich besser?
Quellen und weiterführende Fachinformationen
Redaktion: POMEKA Redaktion. Technische Ausführung und Einstellungen richten sich nach der konkreten Anlage und den Herstellerunterlagen.
Unterstützung zu diesem Thema
Bei Auswahl, Projektierung und Lieferung steht Ihnen das Ingenieurteam von Pomeka Mekanik zur Seite. Teilen Sie uns Volumenstrom, Förderhöhe und Nutzungsprofil Ihrer Anlage mit; gemeinsam bestimmen wir das passende Modell.




