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Pumpensysteme

Mehrpumpenanlage: Restversorgung bei Pumpenausfall

Prüfen Sie die Restleistung einer Mehrpumpenanlage mit Kennlinie, Lastfall und Messung. Pumpenzahl allein beweist keine ausreichende Reserve.

PMPOMEKA Redaktion9 min Lesezeit
Zwei vertikale Druckerhöhungspumpen an getrennten Sammelleitungen in einem Technikraum

KI-generierte Illustration

Bei Ausfall einer Pumpe bleibt nur die Versorgung verfügbar, die die übrigen Aggregate am tatsächlichen Betriebspunkt leisten können. Eine Zweipumpenanlage liefert im Einzelpumpenbetrieb deshalb weder automatisch die Hälfte noch automatisch die volle Auslegungsmenge. Entscheidend sind Kennlinien, Druckanforderung, Leitungsverluste und die Steuerungsarchitektur. Prüfen Sie den Ausfallfall als eigene Planungsaufgabe. Die normale gemeinsame Förderleistung und die Zahl der montierten Pumpen reichen als Nachweis nicht aus.

01Den geforderten Ausfallzustand zuerst definieren

Bevor eine Reserve berechnet wird, muss feststehen, welche Nutzer bei einem Pumpenausfall weiter versorgt werden sollen. In einem Wohngebäude kann ein bestimmter Mindestkomfort vereinbart sein; in einem Betrieb können einzelne Prozesse Vorrang haben. Die Priorität darf nicht erst während einer Störung improvisiert werden. Sammeln Sie deshalb die kritischen Verbraucher und deren Mindestanforderungen an Volumenstrom, Druck und zulässige Unterbrechungszeit. Spezifische sicherheitsrelevante Anlagen benötigen eine eigene fachliche Betrachtung.

Unterscheiden Sie drei Ziele: volle Spitzenlast trotz Ausfall, eingeschränkte Versorgung eines definierten Bedarfs und geordneter Stillstand mit Alarm. Alle drei können je nach Aufgabe sinnvoll sein, bedeuten aber etwas anderes. Ein Angebot mit „Reservepumpe“ muss erkennen lassen, welches Ziel es abdeckt. Auch zeitliche Randbedingungen gehören dazu. Eine Stunde reduzierte Versorgung während planbarer Wartung ist nicht dasselbe wie eine unbemerkte mehrtägige Störung. Dokumentieren Sie die zulässigen Einschränkungen verständlich für den Betreiber.

02Parallelbetrieb richtig auf der Kennlinie lesen

Bei parallel geschalteten Pumpen addieren sich die Volumenströme bei gleicher Förderhöhe. Der tatsächliche gemeinsame Betriebspunkt entsteht erst mit der Anlagenkennlinie. KSB beschreibt diesen Zusammenhang im Kreiselpumpenlexikon. Grundfos erläutert ebenfalls, dass parallel arbeitende Pumpen über eine gemeinsame Druckleitung einen bestimmten Förderstrom bereitstellen. Für die Prüfung benötigen Sie deshalb die Kennlinien der konkreten Pumpenausführung und die Widerstandsverhältnisse der angeschlossenen Anlage.

Wird eine Pumpe abgeschaltet, ändert sich nicht nur die verfügbare Pumpenkennlinie. Durch den geringeren Volumenstrom können auch die Leitungsverluste sinken. Der neue Betriebspunkt liegt daher meist nicht bei einer simplen Halbierung der ursprünglichen Gesamtmenge. Umgekehrt kann ein geregeltes System versuchen, den Solldruck mit höherer Drehzahl der verbleibenden Pumpe zu halten. Gelingt dies bis zum benötigten Volumenstrom, bleibt der Komfort zunächst erhalten. Erst bei erreichter Leistungsgrenze wird die Einschränkung sichtbar.

03Ein Kennlinienbeispiel mit klaren Annahmen

Nehmen Sie eine rein illustrative Anlage mit zwei gleichen Pumpen an. Bei einer erforderlichen Förderhöhe von 40 m liefert jede Pumpe laut angenommener Kennlinie 3 m³/h. Gemeinsam wären an dieser Förderhöhe 6 m³/h verfügbar, sofern die übrigen Bedingungen passen. Fällt eine Pumpe aus, kann die verbleibende an denselben 40 m nur die angenommenen 3 m³/h liefern. Ein Bedarf von 4,5 m³/h bei unverändert erforderlichen 40 m wäre damit nicht gedeckt.

Sinkt der erforderliche Druck bei reduzierter Nutzung oder verringern sich die Leitungsverluste, kann der tatsächliche Einzelpumpenbetrieb einen anderen Punkt erreichen. Wie viel Wasser dort zur Verfügung steht, muss aus Kennlinie und Anlagenbilanz ermittelt werden. Die Beispielwerte sind keine Herstellerdaten und keine Aussage zu einer konkreten Baureihe. Sie veranschaulichen lediglich die Vorgehensweise. Für eine reale Auswahl sind zudem Mindestförderstrom, zulässige Drehzahl, Motorleistung und Eintrittsbedingungen der verbleibenden Pumpe zu prüfen.

04Statische und veränderliche Druckanteile trennen

Ein Teil der erforderlichen Förderhöhe hängt vom Volumenstrom ab, ein anderer bleibt auch bei geringer Entnahme bestehen. Die Höhe bis zur obersten Entnahmestelle verschwindet nicht, wenn weniger Wasser fließt. Ebenso kann ein Verbraucher einen bestimmten Mindestfließdruck benötigen. Rohrreibungsverluste verändern sich dagegen mit dem Volumenstrom. Diese Trennung erklärt, warum eine reduzierte Menge nicht automatisch eine beliebig niedrigere Förderhöhe erlaubt.

Für eine überschlägige Betrachtung können Sie die Bilanz in geodätischen Anteil, Verbraucheranforderung und Strömungsverluste zerlegen. Ein fiktives Beispiel setzt 15 m Höhenunterschied, ungefähr 20 m Druckanteil und 10 m Verluste bei Spitzenlast an. Bei geringerer Entnahme mögen die Verluste auf angenommene 3 m fallen. Dann bleibt dennoch ein Bedarf von etwa 38 m statt zuvor 45 m. Die Zahlen sind frei gewählt. Ob die Einzelpumpe diesen Punkt erreicht, ist anschließend anhand ihrer Kennlinie zu prüfen.

05Das ungünstigste Entnahmeprofil bestimmen

Die höchste gleichzeitige Gesamtmenge ist nicht immer der ungünstigste Zustand für jeden Nutzer. Eine hoch gelegene Entnahmestelle kann bereits bei mäßigem Gesamtverbrauch zu wenig Druck erhalten. Umgekehrt kann eine große Entnahme auf niedriger Ebene hydraulisch weniger kritisch sein. Für den Ausfallnachweis müssen deshalb die relevanten Verbraucherkombinationen betrachtet werden. Eine Messung an der unmittelbar neben der Anlage gelegenen Zapfstelle reicht nicht aus.

Erstellen Sie mit dem Planer eine kleine Lastfallliste. Dazu gehören Normalbedarf, erwartete Spitze und der vereinbarte reduzierte Störungsbedarf. Notieren Sie jeweils den entferntesten beziehungsweise druckseitig ungünstigsten Verbraucher. Bei Bewässerung kann eine abgestimmte Zonenfolge den Bedarf begrenzen; dazu lesen Sie Bewässerungszonen nach Volumenstrom und Druck planen . Bei Gebäuden müssen Änderungen an der Nutzung mit dem Betreiber abgestimmt sein. Ein stillschweigend reduzierter Solldruck ist keine dokumentierte Ersatzversorgung.

06Gemeinsame Komponenten können alle Pumpen stoppen

Die hydraulisch ausreichende Einzelpumpe hilft nicht, wenn ihre Freigabe von einem ausgefallenen gemeinsamen Bauteil abhängt. Ein zentraler Drucksensor, eine gemeinsame Steuerung oder ein gemeinsamer Versorgungsabgang kann einen vollständigen Stillstand auslösen. Ob mehrere Sensoren und Regler tatsächlich unabhängig arbeiten, muss aus der Systemdokumentation hervorgehen. Eine zusätzliche Pumpe auf demselben Rahmen ist keine umfassende Redundanz gegen jede Störung.

Die Anleitung von Grundfos Hydro Multi-E beschreibt beispielsweise die Übernahme der Regelung durch andere hierfür ausgerüstete Pumpen. Diese Eigenschaft gehört zur konkreten Architektur und ist nicht auf beliebige Anlagen übertragbar. Prüfen Sie deshalb, was beim Ausfall eines Motors, eines Drucksensors und der Masterfunktion jeweils geschieht. Ein Fehlerbaum hilft, gemeinsame Abhängigkeiten sichtbar zu machen. Die normale Verteilung der Betriebsstunden ist eine andere Funktion; den dazugehörigen Nachweis erläutert Pumpenwechsel prüfen: Betriebsstunden und Reserve .

07Saugseite und Wasserquelle im Ausfallfall berücksichtigen

Wenn nur eine Pumpe arbeitet, verändert sich die Belastung der gemeinsamen Zulaufleitung. Das kann die Eintrittsbedingungen verbessern, muss aber nicht jede Störung beheben. Ein leerer Vorlagebehälter oder ein ausgefallener Zulauf betrifft weiterhin die gesamte Anlage. Auch eine gemeinsame Ansaugarmatur kann alle Aggregate gleichzeitig einschränken. Die Ausfallanalyse sollte daher an der Wasserquelle beginnen und erst am Verbraucher enden.

Bei einer Brunnenversorgung muss zusätzlich geklärt sein, ob die verbleibende Pumpe innerhalb des zulässigen Bereichs arbeitet und der Wasserstand ausreicht. Ein Schutzstopp wegen Wassermangel ist keine fehlgeschlagene Reservefunktion, sondern möglicherweise die vorgesehene sichere Reaktion. Die Ursache bleibt dennoch zu untersuchen. Unter Trockenlaufschutz im Brunnen richtig planen finden Sie die Unterscheidung zwischen direkter Niveauerfassung und indirektem Schutz. Eine Reserve darf nicht durch Überbrücken solcher Schutzfunktionen künstlich verfügbar gemacht werden.

08Den Nachweis als geplanten Versuch ausführen

Ein sinnvoller Versuch wird vom Fachbetrieb vorbereitet. Vorher werden Last, Messstellen und zulässige Unterbrechung festgelegt. Dann wird eine Pumpe nach einem freigegebenen Verfahren aus dem verfügbaren Betrieb genommen. Erfasst werden der Druckverlauf, der tatsächliche Volumenstrom, die Reaktion der Steuerung und die Alarmmeldung. Der Versuch soll eine definierte Störung abbilden, ohne Anlage oder Nutzer unzulässig zu gefährden. Elektrische Eingriffe durch Betreiber sind dabei ausgeschlossen.

Wichtig ist die Beobachtung über einen geeigneten Zeitraum. Ein Druckbehälter kann eine kurze Lücke überdecken, ohne dass die verbleibende Pumpe den Dauerbedarf deckt. Erst wenn sich der Zustand stabilisiert hat, ist der gemessene Betriebspunkt aussagekräftig. Bei stark schwankender Nutzung sind mehrere abgestimmte Lastfälle erforderlich. Notieren Sie außerdem die Versorgung am ungünstigen Verbraucher. Ein unveränderter Druck am Pumpenaustritt beweist nicht automatisch ausreichenden Druck am Ende einer langen oder hoch geführten Verteilung.

09Ersatzversorgung und Alarmweg gemeinsam planen

Wenn die Restleistung nicht für alle Nutzer genügt, braucht es eine verständliche Betriebsanweisung. Sie legt fest, welche Entnahmen begrenzt werden, wie die Störung gemeldet wird und wann der Service reagiert. Eine Fernmeldung muss den richtigen Empfänger erreichen und klar zwischen Warnung und Versorgungsausfall unterscheiden. Der Alarmtext sollte keine volle Verfügbarkeit suggerieren, wenn nur noch ein Aggregat ohne weitere Reserve läuft.

Für versorgungswichtige Anwendungen können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein. Ob ein weiterer Speicher, ein anderes Pumpenkonzept oder eine unabhängige Versorgung sinnvoll ist, hängt von der Aufgabe ab. Eine beliebige Vergrößerung der Anlage erhöht nicht automatisch die Betriebssicherheit. Sie kann neue Fragen zu Wasserumsatz, Platz und Wartung erzeugen. Lassen Sie die Alternativen anhand der vereinbarten Lastfälle vergleichen. So wird erkennbar, ob die Investition einen konkreten Ausfall abfängt oder lediglich die normale Spitzenleistung erhöht.

10Checkliste für Planung und Abnahme

Lassen Sie den Ausfallnachweis als eigenen Punkt in die technische Abstimmung aufnehmen. Er sollte die Pumpenvariante, das Regelkonzept und den geprüften Lastfall nennen. Ein allgemeiner Satz wie „Anlage redundant“ ist dafür zu ungenau. Besonders nach einem Austausch kann die bisherige Berechnung nicht ohne Weiteres weitergelten. Eine andere Kennlinie oder Sensoranordnung verändert möglicherweise das Ergebnis, obwohl weiterhin dieselbe Zahl an Pumpen montiert ist.

  • Der notwendige Störungsbedarf ist mit Volumenstrom und Druck definiert.
  • Einzel- und Mehrpumpenkennlinien gehören zur tatsächlichen Ausführung.
  • Geodätischer Anteil, Verbraucherbedarf und Leitungsverluste wurden getrennt betrachtet.
  • Gemeinsame Sensoren, Steuerung, Zulauf und Stromversorgung sind im Schema markiert.
  • Die vorgesehene Störungsübernahme wurde fachgerecht getestet.
  • Der Dauerzustand und der ungünstigste Verbraucher wurden gemessen.
  • Alarmierung, Nutzungsbeschränkung und Wiederherstellung sind dokumentiert.

Unter Pumpensysteme können Sie die passende Systemgruppe einordnen. Für eine technische Abstimmung über unsere Kontaktseite sind vorhandene Kennlinien, das Hydraulikschema und die gewünschte Restversorgung hilfreich. Diese Unterlagen machen deutlich, ob eine Wartung im laufenden Betrieb möglich ist und welche Einschränkungen dabei gelten. Der Ausfallfall ist damit eine überprüfbare Leistungsanforderung statt einer unklaren Zusatzbezeichnung im Angebot.

11Häufig gestellte Fragen

Liefert eine Zweipumpenanlage bei Ausfall immer die halbe Menge?
Nein. Der neue Betriebspunkt ergibt sich aus der verbleibenden Pumpenkennlinie und der Anlage. Geringere Leitungsverluste oder eine Drehzahlanpassung können das Ergebnis verändern. Wenn ein unveränderter Druck gefordert wird, muss die Einzelkennlinie genau an diesem Punkt geprüft werden. Eine pauschale Halbierung ist dafür kein verlässlicher Nachweis.
Reicht ein erfolgreicher kurzer Umschalttest aus?
Er bestätigt zunächst die beobachtete Steuerungsreaktion. Für die hydraulische Restversorgung muss der Zustand unter geeigneter Last stabil sein. Ein Speicher kann kurze Unterbrechungen überdecken. Deshalb sind Dauerbetrieb, tatsächlicher Volumenstrom und Druck am ungünstigen Verbraucher zu prüfen. Die zulässige Testmethode wird vom Fachbetrieb anhand der Herstellerunterlagen festgelegt.
Ist die zweite Pumpe automatisch eine Reservepumpe?
Nein. Sie kann bereits zur normalen Abdeckung der Spitzenlast benötigt werden. Erst die Auslegung zeigt, ob nach ihrem Ausfall der vereinbarte Bedarf weiterhin gedeckt ist. Auch gemeinsame Ausfallursachen sind zu berücksichtigen. Die Begriffe Betriebspumpe und Reserve sollten deshalb im Anlagenkonzept mit einer konkreten Versorgungsanforderung verbunden sein.

Quellen und weiterführende Fachinformationen

Redaktion: POMEKA Redaktion. Technische Ausführung und Einstellungen richten sich nach der konkreten Anlage und den Herstellerunterlagen.

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